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Freitag, 23. Oktober 2020

„Wie der Markt Umwelt und Ressourcen schützt”

Ludwig von Mises Institut Deutschland Konferenz 2020. Der Tagungsbericht vom 10. Oktober 2020.

Vorbemerkung Der folgende Beitrag erschien zuerst am Montag, dem 19. Oktober 2020, auf der Website des Ludwig von Mises Instituts Deutschland e.V. Darin berichte ich von der Jahreskonferenz 2020 des Ludwig von Mises Instituts am 10. Oktober 2020 in München.


 
Begrüßung der Konferenzteilnehmer durch den Präsidenten des Ludwig von Mises Instituts Deutschland Thorsten Polleit.


Samstag, 10. Oktober 2020. München,
Hotel Bayerischer Hof, 10.30 Uhr. Professor Dr. Thorsten Polleit als Präsident des Ludwig von Mises Instituts Deutschland begrüßt die Teilnehmer der Mises Konferenz 2020 mit einer naheliegenden Anspielung und spricht vom Sozialismus-Virus als der politischen Ansteckungsgefahr in Deutschland. Diese mentale Infektion „in geistiger Auseinandersetzung“ niederzuringen sei das Gebot der Stunde, über deren Folgen aufzuklären eine Aufgabe, der sich die Konferenz in Hinblick auf Klima und Umwelt widmen werde mit dem Ziel: „Mut tanken, Zuversicht schöpfen“, dass Widerrede wirken werde und gute Argumente offene Ohren fänden.

Hier knüpft Andreas Marquart als Vorstand des Ludwig von Mises Instituts Deutschland in seiner Einführung in das Konferenzthema an und plädiert dafür, sich nicht einschüchtern zu lassen von einer Politik, die den Bürgern bis ins letzte Detail vorschreiben will, wie sie klimaneutral und umweltgerecht zu leben hätten. Es stehe viel auf dem Spiel; denn die „Instrumentalisierung des Corona-Schocks“ durch die Regierenden nutzte nur ihnen bei der Ausweitung ihrer Eingriffsmöglichkeiten und schade den Bürgern bei der Ausübung ihrer Freiheiten und Rechte und schmälere ihren Wohlstand. „Die Alarmglocken sollten klingeln – unsere nämlich“, und genau deshalb finde die Ludwig von Mises Konferenz 2020 trotz aller Widrigkeiten statt und werde die mentalen Widerstandskräfte stärken.


Vortrag 1 Als erster Referent hält Dr. Andreas Tiedtke sein Referat Umwelt- und Katastrophen-Meme im Dienste des Interventionismus – eine praxeologische Betrachtung. Tiedtke ist Rechtsanwalt und Unternehmer im Bereich der Immobilien-Projektberatung, Autor auf misesde und eines für 2021 angekündigten Buchs Der Kompass zum lebendigen Leben. Und was sind Meme? Meme sind Bewusstseinsinhalte, Informationsbausteine wie Gene, nur dass diese körperlicher und Meme geistiger Natur sind.


Vortrag 1 Andreas Tiedtke: Er macht auf die Kollusion von Aktivisten und Akademikern aufmerksam, ihr gemeinsames Vorgehen zum Schaden eines Dritten, der Bürger dieses Landes, um Interventionen des Staates zum Nutzen seiner Begünstigten zu rechtfertigen.

Den Begriff Mem hat zuerst der britische Biologe Richard Dawkins 1976 in seinem Buch Das egoistische Gen verwendet, seitdem hat er einige Wandlungen durchlaufen und ist heute im Mediensprachgebrauch eben jener Typus von Informationsbaustein, der meist als Bild-Text-Kombination rasend schnell durch das Internet geistert, sich dabei wie ein Virus vermehrt, bis er an der Oberfläche des Fernsehbildschirms auftaucht und jedermann ansteckt. Ein solches Mem war das Kurzvideo aus Bergamo, in dem Armeelastwagen nächtens Corona-Leichname abtransportierten. Schlagartig war ganz Italien in Lebensgefahr. Doch nie gab es ein vergleichbares Bild aus irgendeiner anderen italienischen Stadt.

Hier setzt Andreas Tiedtke ein: Katastrophen-Meme sind Bewusstseinsinhalte zum Beeinflussen der Bürger, oft nur kleinste, zufällige, solitäre Informationsbausteine, die wie ein Genom verkettet ihre Wirkung entfalten und staatliche Interventionen wie von selbst rechtfertigen. Da Intervention mit Zwang einhergeht, ist sie eine feindliche Handlung. Sobald aber Umwelt- oder Katastrophen-Meme als Auslöser staatlichen Handelns fungieren, wird dieses von den Bürgern nicht als Angriff auf ihre Freiheiten und Rechte gesehen, sondern als Maßnahme zu ihrem Besten akzeptiert.

Als besonders wirksam erweisen sich hierbei solche Meme, die künftige Katastrophen mittels evidenter, unmittelbar einleuchtender Informationsbausteine vorwegnehmen: ein reales Schreckensfeuer in Kalifornien, ein real kollabierendes Spital in Brooklyn – und schon wird memisch klar, was der ganzen Menschheit oder gar dem Planeten blüht. Andreas Tiedtke nennt diese Art der Meme in Anlehnung an Science-Fiction-Autor Philip K. Dick „Pre-Crimes“, die Vorwegnahme von Verbrechen, die noch nicht geschehen sind, aber geschehen werden, wenn nicht jetzt und sofort dem Kapitalismus und der Globalisierung, sie sind die Täter, von Staats wegen das Handwerk gelegt wird. Da Pre-Crimes nicht evidenzbasiert sind, ist für die Bürger kein Widerspruch möglich, und wer doch widerspricht, kann nur Klimaleugner oder Covidiot sein.

Hier nun kommt die Kollusion von Aktivisten und Akademikern ins Spiel, ihr gemeinsames Vorgehen zum Schaden eines Dritten, der Bürger dieses Landes. Die Aktivisten lancieren die Meme, die Akademiker formen Wissen daraus: „Follow The Science“ ist die Parole der Fridays For Future, die adressierten Sozialwissenschaftler vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung machen eine statistisch erwiesene und mithin wissenschaftlich belegbare Klimakatastrophe daraus. Die nur abzuwenden ist, wenn die Bürger zu sofortigem Konsumverzicht angehalten werden, vom SUV aufs Rad umsteigen, um der Deindustrialisierung Deutschlands eine persönliche Note und der Dekarbonisierung durch Demut vor den Erneuerbaren eine Chance geben statt sich weiter im Widerstand gegen Windräder zu gefallen.

 
Damit nicht allzu viel Vermischung der Teilnehmer erfolgt, sitzen diese tischweise zusammen und werden dort auch ihr Mittagsmahl erhalten. Noch aber ist es nicht soweit, wie mein Notizbuch erkennen lässt.


In diesem Zusammenhang macht Andreas Tiedtke darauf aufmerksam, dass die Science der Akademiker als Beleg der Umwelt- oder Katastrophen-Meme der Aktivisten beide Male eine Mischwissenschaft ist, ein Hybrid aus exakter Naturwissenschaft und empirischer Sozialwissenschaft. Klimafolgenforschung ist ein Hybrid aus Sozial- und Geschichtswissenschaft, Statistik einerseits und Physik, Astronomie und Meteorologie andererseits. Ebenso ist Epidemiologie ein Hybrid aus Sozial- und Geschichtswissenschaft, Statistik einerseits und aus Chemie, Medizin und Virologie andererseits. In beiden Mischwissenschaften sind Physik, Chemie und die der Statistik zugrundeliegende Mathematik die exakten Wissenschaften, alle übrigen sind sozialwissenschaftliche Disziplinen mit weitem Deutungshorizont. „Follow The Science“ ist das neuzeitliche Pendant zur Anwendung und Umsetzung des Wissenschaftlichen Sozialismus und wie dieser Ideologie – kein Wissen, wie Kommunismus aufgebaut oder Erderwärmung abgebaut wird.

„In dubio pro reo“, im Zweifel für den Angeklagten, der damals wie heute der Kapitalismus ist, lautet Andreas Tiedtkes praxeologische Schlussfolgerung. Solange der Nutzen der Klimarettungspolitik nicht belegbar ist, solange der Schaden der katastrophen-memisch getriebenen Coronapolitik so messbar ist, sind Zweifel an der Schuld der nunmehr zwei Angeklagten nicht ausgeräumt und beide freizusprechen, der Kapitalismus für das Klima und die Globalisierung für Corona.

Hinweis: Die Videoaufzeichnung des Vortrags von Andreas Tiedtke ist seit 21. Oktober 2020 online zugänglich, hier.


Vortrag 2 Nachdem Andreas Tiedtke mit den Memen einen neuen Gedanken in Mises’ Praxeologie eingeführt hat, tritt Andreas Marquart gedanklich einen Schritt zurück und widmet sich den Grundlagen der Geldtheorie, gewissermaßen Mises’ Genen: Wie das Papiergeldsystem für Ressourcenverschwendung sorgt, ist sein Referat überschrieben. Marquart ist nicht nur Vorstand des Ludwig von Mises Instituts Deutschland, im Hauptberuf ist er Honorar-Finanzberater und einer der wenigen unter diesen, die sich an den Erkenntnissen der Österreichischen Geld- und Konjunkturtheorie orientieren. Sein Wissen hat er unlängst geteilt, Crashkurs Geld heißt sein im August 2019 im FinanzBuch Verlag erschienenes populärwissenschaftliches Sachbuch.


Vortrag 2 Andreas Marquart: Er deutet die von Soziologen beobachtete Infantilisierung nicht der Gesellschaft im Ganzen, wohl aber der Wortführer in Politik und Medien und ihrer zur Nachahmung bereiten Gefolgschaft, als Ergebnis des staatlichen Geldmonopols, das eine hohe Zeitpräferenz („ich will das, und ich will es jetzt“) für jedermann, der kreditwürdig ist, begünstigt.

Über die „dunkle Seite“ des ungedeckten Papiergelds, wie Polleit sie nennt, will Andreas Marquart sprechen, und tatsächlich steht auch beim Euro vieles nicht im Licht der öffentlichen Debatte, was aber eben dahin gehörte. Manches Gesagte dient auch der absichtsvollen Verdunklung der Zusammenhänge, etwa wenn die Europäische Zentralbank (EZB) von einer Politik der „flexiblen Geldmenge“ spricht, die Geldmenge seit Einführung des Euro jedoch stetig ausweitet und seit Corona sogar im Sauseschritt. Das Anwachsen der Geldmenge führt zu keinem Anwachsen des Wohlstands und schon gar nicht für alle – Andreas Marquart nennt diese Geldpolitik das „Verfrühstücken der Zukunft“.

Aber schon in der Gegenwart haben das Geld aus dem Nichts und die Abschaffung des Zinses fatale Folgen für Umwelt und Ressourcen. Die eine wird nicht geschont, die anderen werden nicht optimal genutzt, sondern beide nehmen Schaden, wenn Geld keinen Preis hat und falsche Ziele sich nicht mehr durch Unrentabilität rächen. Ergebnis: Schon am 22. Juli dieses Jahres waren Ressourcen verbraucht, die bis 31. Dezember 2020 hätten reichen sollen. Andreas Marquart nennt drei historische Beispiele für Ressourcenverschwendung:

Bauboom in Spanien, getrieben von zu billigem Geld. Entlang der Mittelmeerküste reihen sich Betonskelette nie fertiggestellter Appartementhäuser; die Zerstörung der Umwelt ist offensichtlich (er zeigt dazu das trostlose Foto einer Bauruine), der Schaden durch die Verschwendung der Ressource Beton und die bei dessen Herstellung emittierte CO2-Menge kaum quantifizierbar.

Durch politische Intervention und staatliche Subvention geförderter Ausbau von Regionalflughäfen in der Europäischen Union (EU). 400 von 480 der europäischen Flughäfen schreiben Verluste, zum Teil sind sie stillgelegt. Der Flächenfraß und die Ressourcenvergeudung sind offensichtlich.

„Häfen, die niemand braucht.“ Sie sind das Pendant zu den Flughäfen und wie diese mit EU-Mitteln gefördert. Ergebnis: Zerstörung von Stadt, Land, Fluss, dazu Zerstörung von Tierwelten und Verschandelung von Umwelten.


Häfen, die niemand braucht, Regionalflughäfen, von denen niemand fliegt, Häuser, in denen keiner wohnt – Andreas Marquart nennt und zeigt drei historische Beispiele für Ressourcenverschwendung, im Bild einer der Geisterhäfen in der Europäischen Union.


Nach 50 Jahren Staatsgeld, so Andreas Marquarts Resümee, sind die Grundlagen von Mises’ Geldtheorie in Vergessenheit geraten, dass nämlich ein schonendes Wachstum der Wirtschaft nur möglich ist, wenn das gilt, was Ludwig von Mises die Zeitpräferenz nennt: Verzicht auf heutigen Konsum, wenn Aussicht auf ein Mehr in der Zukunft besteht. Dann wird heute gespart und morgen investiert. Und zwar in etwas, das übermorgen profitabel zu werden verspricht. Das wäre ein erwachsenes Investitionsverhalten und Zeichen einer niedrigen Zeitpräferenz.

Kinder verhalten sich genau umgekehrt: Sie wollen alles, und sie wollen es gleich. Das ist altersgemäß und zeugt von einer hohen Zeitpräferenz. Die von Soziologen beobachtete Infantilisierung nicht der Gesellschaft im Ganzen, wohl aber der Wortführer in Politik und Medien und ihrer zur Nachahmung bereiten Gefolgschaft, ist auf das staatliche Geldmonopol zurückzuführen, das eine hohe Zeitpräferenz für jedermann, der kreditwürdig ist, begünstigt: Verhalte dich wie ein Kind – befriedige deine Klientel, bevor sie noch muckst, gilt für die einen; gönn’ dir, was du willst, für die anderen. Geld ist genug da und jeder Schuldenrahmen dehnbar, privat wie politisch.

Andreas Marquarts Schlussappell richtet sich an die Zuhörer im Saal und an das künftige Publikum der Videoaufzeichnung, die von jedem Vortrag gemacht wird und in den kommenden Wochen auf der Website des Mises Instituts veröffentlicht werden wird: Das unbegrenzt und willkürlich vermehrbare Staatsgeld zerstört Umwelt und Natur oft unwiederbringlich, deshalb brauchen wir werthaltiges Marktgeld und wertmehrende Marktwirtschaft, also „mehr Kapitalismus“ – „diskutieren wir!“

Nachtrag vom 28. Oktober 2020: Die Videoaufzeichnung des Vortrags von Andreas Marquart ist nunmehr online zugänglich, hier.


Vortrag 3 Nach diesem dringenden Appell hätte es der folgende Referent ohnehin schon schwer gehabt, zu basalen Facts and Figures zurückzukehren, aber er hat auch noch das Handicap zu überwinden, persönlich gar nicht anwesend zu sein. Professor Dr. Jörg Guido Hülsmann, der Ökonomie an der Universität Angers in Frankreich lehrt, konnte coronapolitisch bedingt nicht nach München kommen und wird per Video zugeschaltet, um die Politische Ökonomie des Klimawandels darzulegen. Hülsmann ist Mitglied im wissenschaftlichen Beirat des Ludwig von Mises Institut Deutschland und Senior Fellow des Ludwig von Mises Instituts in Auburn, Alabama. Und als solcher Routinier genug, die Aufmerksamkeit des Publikums im Saal alsbald auf die große Leinwand zu lenken, von der auch er für marktwirtschaftliche Antworten auf Klimafragen plädiert.


Vortrag 3 Jörg Guido Hülsmann: Er verneint die Behauptung, dass die Entwicklungsländer einseitig die Lasten der Erderwärmung trügen, die dann als „Krönung des Kolonialismus“ erscheine, als anhaltende „Ausbeutung der Dritten Welt durch die Erste“ – das halte keiner empirischen Bestandsaufnahme stand. Am Pult vor Beginn des Vortrags Andreas Marquart, der den Referenten vorstellt, der über ihm per Video aus Frankreich zugeschaltet ist und auf seinen Auftritt wartet.

Seine Kritik der interventionistischen Klimapolitik entfaltet Jörg Guido Hülsmann anhand des Bestsellers Der Klimawandel. Diagnose, Prognose, Therapie von Stefan Rahmstorf und Hans Joachim Schellnhuber. Rahmstorf ist Professor für das Fach Physik der Ozeane an der Universität Potsdam, Schellnhuber ist emeritierter Professor für Theoretische Physik an der Universität Potsdam und war 1992 Gründungsdirektor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), an dem auch Rahmstorf seit 1996 als einer von mittlerweile mehr als 300 Mitarbeitern forscht. Hülsmann hat dieses im Juli 2019 erschienene Buch gewählt, weil es als Heilige Schrift der Klimarettungsbewegung Fridays For Future gilt. Er nennt mehrere Einwände:

Das Buch erörtert keine Gegenmeinung mit der Begründung, es bestehe in der Wissenschaft Konsens. Zweitens stellt er die Vorhersagen des Buchs in Frage, die auf Simulationen beruhen, weil Simulation anfällig ist für politische Manipulation. Drittens schließlich rät Hülsmann, quantitative Modelle stets mit Vorsicht zu genießen, weil sie wie in seiner Disziplin, der Wirtschaftswissenschaft, zu beobachten, viele Falschaussagen zur Folge haben.

Jörg Guido Hülsmann plädiert deshalb für einen anderen gedanklichen Zugang und fragt: Wer hat einen Vorteil, wer hat einen Nachteil von den Folgen der Erderwärmung durch CO2? Ein Vorteil beispielsweise ist, dass mehr Ackerbau dort möglich ist, wo es zuvor zu kalt dafür war. Ein Nachteil ist, dass Bewohner von Inseln oder Küstenregionen umziehen müssten, wenn sie ihr Land nicht durch Deiche schützen könnten. Vor- und Nachteile bleiben jedoch bei Rahmstorf und Schellnhuber gänzlich unerörtert. Dabei hätte die Industrialisierung des 19. Jahrhunderts die Blaupause für ein solches Abwägen abgeben können. Auch die industrielle Revolution brachte den einen Vorteil, den anderen Nachteil, doch die Bilanz am Ende fiel positiv aus. Woher rührt also die Vorstellung, dass Klimawandel die Nachteile verstärkt und die Anpassungsfähigkeit der Betroffenen überfordern würde?

Auch die stillschweigende Annahme des Buches, eher eine Anklage, dass gerade die Ärmsten durch das Handeln der Reichen leiden würden, stellt Jörg Guido Hülsmann in Frage. Die Behauptung, dass die Entwicklungsländer einseitig die Lasten der Erderwärmung trügen, die dann als „Krönung des Kolonialismus“ erscheine, als anhaltende „Ausbeutung der Dritten Welt durch die Erste“, hält keiner empirischen Bestandsaufnahme stand: Die in den vergangenen drei Jahrzehnten als Folge der Globalisierung zunehmende Überwindung des Hungers, die Minderung der Armut in Afrika und Teilen Asiens wird in jedem UNO-Bericht positiv verzeichnet – aber jetzt, 2020, durch die Coronapolitik ein Ende finden und nicht durch den Klimawandel.


Jörg Guido Hülsmann spricht per Videoschaltung aus Angers zu den Teilnehmern in München und bekräftigt: Die in den vergangenen drei Jahrzehnten als Folge der Globalisierung zunehmende Überwindung des Hungers, die Minderung der Armut in Afrika und Teilen Asiens werde jetzt, 2020, durch die Coronapolitik ein Ende finden und nicht durch den Klimawandel.


Der Fixierung der Klimapolitik auf den CO2-Ausstoß und der einseitigen Politik der Vermeidung von CO2-Emissionen setzt Jörg Guido Hülsmann den Gedanken der Anpassung entgegen. Den aber lehnen Rahmstorf und Schellnhuber von vornherein als „Öffnen der Pandorabüchse“ ab, weil die Umsiedlung von Überfluteten ethisch nicht statthaft sei. So wird allein der mögliche Schaden benannt und der mögliche Nutzen ignoriert, geschweige denn beides bilanziert. Hülsmann plädiert dafür, den „Gesamtnutzen des Klimawandels“ zu ermitteln. Er spricht sich auch bei der Lösung der Klimafragen für Entscheidungen der Einzelnen im Rahmen der Marktwirtschaft aus, statt zentralplanerisch zu denken wie Rahmstorf und Schellnhuber, für die Intervention des Staates alternativlos ist.

Dabei gibt es immer eine Alternative und hier sogar eine gut bekannte: den Lösungen und Innovation begünstigen, Wohlstand mehrenden, Freiheiten und Rechte wahrenden Kapitalismus. So entlässt Jörg Guido Hülsmann die Teilnehmer mit Zuversicht gewappnet in die Mittagspause. 

Nachtrag vom 4. November 2020: Die Videoaufzeichnung des Vortrags von Jörg Guido Hülsmann ist nunmehr online zugänglich, hier.


Vortrag 4 Der vierte Redner kann nach dem Mittagessen ein kulinarisch wie theoretisch wohl genährtes Publikum ansprechen. Es ist Professor Dr. Hans-Werner Sinn, der Das Klimaproblem und die deutsche Energiewende beleuchten wird. Sinn ist emeritierter Professor für Volkswirtschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München und war von 1999 bis 2016 Präsident des ifo Instituts für Wirtschaftsforschung in München, das den monatlichen ifo-Geschäftsklimaindex ermittelt und auch deshalb häufig Medienresonanz findet. Darüber hinaus ist Hans-Werner Sinn als Ökonom wegen seiner Kritik an der Eurorettungspolitik einem breiteren Publikum bekannt; weniger bekannt ist, dass er bereits 2008 mit einer Kritik der Klimarettungspolitik hervorgetreten ist. Eine aktualisierte Neuausgabe seines damaligen Buchs ist am 30. Oktober 2020 unter demselben Titel Das grüne Paradoxon – Plädoyer für eine illusionsfreie Klimapolitik im Schweizer Weltbuch Verlag erschienen.


Vortrag 4 Hans-Werner Sinn: Er legt dar, warum Elektromobilität für deutsche Bürger in ihrer Eigenschaft als Konsumenten, Stromkunden und Steuerzahler keine gute Idee ist; denn sie zahlen gleich dreimal drauf: beim Autokauf, beim Strompreis und dann noch einmal bei den Steuern, mit denen sie Autobau und Stromerzeugung subventionieren.

Den Klimawandel hält er für gegeben, will Hans-Werner Sinn gleich zu Beginn seines Vortrags klargestellt wissen, und auch die Annahme, dass die Erderwärmung am CO2 liege, wolle er nicht weiter diskutieren. Zur Begründung für Ersteres zeigt er eine Serie von Satellitenfotos, die den Rückgang des Eises am Nordpol dokumentieren, und was das Zweite betrifft, berichtet er von seiner Teilnahme an einer Tagung der Physikalischen Gesellschaft, auf der er, der Ökonom, keinen Physiker getroffen habe, der die wärmende Wirkung von CO2 bestreite. Klimawandel und CO2-Emission als Prämisse gesetzt, folgt nun das deutliche Aber: „Wir haben noch große Puffer!“ Keine Panik, wir reden von Jahrhunderten! Es geht um „Verlangsamen“, alles andere ist „nicht hinreichend belegt“, schon gar nicht sind es die großen Ambitionen der deutschen und der europäischen Klimapolitik.

Die großen Ambitionen der Klimapolitik. Mit einem Schaubild zeigt er sie auf großer Leinwand; allein diese Illustration staatlicher Anmaßung wird das Betrachten der später publizierten Videoaufzeichnung des Sinn-Vortrags lohnend machen. Hans-Werner Sinn zeigt und beschreibt eine Ambitionskurve, die von links oben nach rechts unten von 100 Prozent CO2-Emission im Jahr 1990 auf 0 Prozent im Jahr 2050 zusteuert. Die Schritte dorthin bezeugen eine kumulative Radikalisierung staatlicher Interventionspolitik: Hieß es im Kyoto-Ziel der EU noch minus 20 Prozent CO2-Emission bis zum Jahr 2020, formulierte die deutsche Regierung damals schon das doppelte Ziel von minus 40 Prozent. Gemäß dem Paris-Ziel der EU sollen es bis 2030 dann minus 40 Prozent sein, die deutsche Regierung überbietet erneut und verheißt minus 55 Prozent. Diese 55 Prozent CO2-Reduktion bis 2030 hat sich nun, angestachelt von dem frischen Wind, der dank Corona durch das Window Of Opportunity weht, Ursula von der Leyen als EU-Präsidentin zu eigen gemacht und als Ziel ihres Green Deal der gesamten EU verordnet.


Hans-Werner Sinn veranschaulicht seinen Vortrag mit vielen Schaubildern. Hier grätscht er mit einem dicken grünen Strich in die Infografik hinein: 2022 soll der deutsche Atomausstieg kommen und von einem Tag zum anderen 12 Prozent der deutschen Strommenge vom Energiemarkt nehmen. Hinweis: Durch Anklicken lässt sich das Foto vergrößern und die Infografik lesen.


An diesem Punkt grätscht Hans-Werner Sinn mit einem dicken grünen Strich in die Infografik hinein: 2022 soll der deutsche Atomausstieg kommen und von einem Tag zum anderen 12 Prozent der deutschen Strommenge vom Energiemarkt nehmen – und das bei einem Anteil der erneuerbaren Energien von 28 Prozent im Jahr 2019. Und dann plant die Bundesregierung, angefeuert von Klimaaktivisten, nun zusätzlich noch den Ausstieg aus der Kohle und der Braunkohle. Beide zusammen tragen aktuell 40 Prozent zur deutschen Stromproduktion bei. Und als wäre es des Unmöglichen nicht schon genug, soll gleichzeitig der Autoverkehr vom Verbrennungsmotor auf Elektroantrieb umgestellt werden, was eine signifikante Erhöhung der Strommenge voraussetzt, um täglich Millionen von Batterien aufladen zu können. Dabei sind jetzt schon, Stand 2019, die deutschen Strompreise für private Haushalte nach den dänischen die zweithöchsten in der EU.


2019 hatten alle erneuerbaren Energien zusammen einen Anteil von knapp 40 Prozent an der Stromerzeugung in Deutschland.


 2022 soll der deutsche Atomausstieg kommen und von einem Tag zum anderen 12 Prozent der deutschen Strommenge vom Energiemarkt nehmen. Zudem soll nun auch der Ausstieg aus der Kohle und der Braunkohle erfolgen. Beide zusammen tragen aktuell 40 Prozent zur deutschen Stromproduktion bei. „Und dann auch noch der Verkehr elektrisch!“
Hinweis: Durch Anklicken lassen sich die Fotos vergrößern und die Infografiken lesen.

Wie kann das gehen? Gar nicht, beantwortet Hans-Werner Sinn die selbstgestellte Frage. Um dann etliche Faktoren zu nennen und zu visualisieren, von denen jeder einzelne die großen Ambitionen zunichtemachen wird, rein physikalisch und mathematisch berechenbar. Besonders einprägsam ist sein Vergleich der CO2-Bilanz eines Dieselfahrzeugs mit der eines Elektrofahrzeugs. Sie basiert auf einer Studie, die er gemeinsam mit Christoph Buchal, einem Professor für Physik, und Hans-Dieter Karl, einem Spezialisten für die Energieforschung, 2019 erstellt hat. Sie ist online auf der Website des ifo Instituts als PDF verfügbar, aber dort längst nicht so eindrücklich illustriert wie auf den Infografiken, die Hans-Werner Sinn nun auf die große Leinwand projiziert.

Sie zeigen nichts weniger als die Dekonstruktion der Elektromobilität als einer CO2-armen Alternative zum Diesel. Dabei geht es stets um die CO2-Gesamtbilanz von der Wiege bis zur Bahre eines Automobils, von der Produktion seiner Einzelteile bis zu deren Verschrottung. Der Elektro-Golf muss 225.000 km fahren, um die Klimafreundlichkeit eines Golf Diesel zu erreichen, sprich um gleich wenig CO2 zu emittieren. Die durchschnittliche Lebensdauer eines Automobils in Deutschland endet aber nach 179.000 Kilometern Fahrleistung.


Ein Elektro-Golf muss 225.000 km fahren, um die Klimafreundlichkeit eines Golf Diesel zu erreichen, sprich um gleich wenig CO2 zu emittieren. Die durchschnittliche Lebensdauer eines Automobils in Deutschland endet aber nach 179.000 Kilometern Fahrleistung. Das ist es, was Hans-Werner Sinn das „grüne Paradoxon“ nennt. Hinweis: Durch Anklicken lässt sich das Foto vergrößern und die Infografik lesen.

Das klingt so, als wäre die Umstellung auf Elektrofahrzeuge keine gute Idee? Nun, beantwortet Hans-Werner Sinn auch diese selbstgestellte Frage, das kommt darauf an, für wen. Für deutsche Bürger in ihrer Eigenschaft als Konsumenten, Stromkunden und Steuerzahler ist Elektromobilität keine gute Idee; denn sie zahlen gleich dreimal drauf: beim Autokauf, beim Strompreis und dann noch einmal bei den Steuern, mit denen sie Autobau und Stromerzeugung subventionieren. Für alle anderen Bürger, die das Vergnügen haben, nicht in Deutschland zu leben, wird traditionelles PKW- oder SUV-Fahren billiger in dem Maße, in dem die Weltmarktpreise für Erdöl sprich Benzin oder Diesel fallen, und der Kauf der Fahrzeuge wird gleichzeitig leichter durch die Wohlstandsverschiebung, wenn Autos mit Verbrennungsmotor künftig anderswo statt in Deutschland hergestellt werden.

Das ist es, was Hans-Werner Sinn das „grüne Paradoxon“ nennt: „Wie strengen uns an“, gemeint sind die Deutschen, um einen „kleinen Beitrag zu leisten“, nämlich zur Klimarettung, und alle anderen profitieren, in der EU und weltweit. Die „Vernichtung der deutschen Autoindustrie“ ist der Preis, den die Bürger dieses Landes zahlen werden, aber niemand von den Grünen spricht darüber und folglich existiert das Thema auch nicht in der öffentlichen Debatte. Damit will Hans-Werner Sinn sich nicht abfinden und macht zum Schluss seines Vortrags fünf Vorschläge für eine effektive Politik:

Neue Atomkraftwerke bauen; sie haben die geringste Letalität aller Formen von Energiegewinnung.
• Sequestrierung (Einlagerung) von Kohlenstoff und Aufforstung, um den Kohlenstoffgehalt der Luft zu senken.
• Wälder kaufen und schützen; für den Amazonas-Regenwald veranschlagt er 275 Mrd. Euro.
• Quellensteuer auf Finanzinvestitionen und sichere Eigentumsrechte für Ressourcen im Boden, um den „Appetit auf Schweizer Bankkonten“ zu verringern.
• Weltweiter Emissionshandel zur Kontrolle der emittierten Kohlenstoffmengen.

Fazit: „Wir sollten nichts tun, was uns kasteit und doch keinen Beitrag leistet.“

Nachtrag vom 14. Dezember 2020: Die Videoaufzeichnung des Vortrags von Hans-Werner Sinn ist nunmehr online zugänglich, hier. Die späte Veröffentlichung rührt daher, dass alle Schaubilder, die hier nur beispielhaft als Standbilder zu sehen sind, in ihrer dynamischen Entwicklung in das Video der Vortrags eingearbeitet sind.


Vortrag 5 Dem kann der letzte Redner an diesem langen Konferenztag nur zustimmen. Es ist Professor Dr. Thorsten Polleit, der nicht nur Vorstand des Ludwig von Mises Instituts Deutschland ist, sondern im Hauptberuf Chefvolkswirt der Degussa. Er ist zudem Honorarprofessor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Bayreuth und Adjunct Scholar des Ludwig von Mises Instituts in Auburn, Alabama. Polleit ist zudem Buchautor und hat im Oktober 2020, rechtzeitig zur Mises Konferenz, als Neuerscheinung die Studie Der Antikapitalist: Ein Weltverbesserer, der keiner ist im FinanzBuch Verlag vorgelegt. Sein Vortrag zum Abschluss der Konferenz, Absolute Eigentumsrechte als ökologischer Imperativ, nimmt noch einmal Grundsätzliches in den Blick.


Vortrag 5 Thorsten Polleit: Er betont, dass nur bei einer Internalisierung der Kosten der Eigentümer einen Anreiz hat, sich ressourcen- und umweltschonend zu verhalten; denn Raubbau an der Ressource und Schädigung der Umwelt gingen zu seinen Lasten und schmälerten seinen Gewinn.

„Privatisierung von allem“, auch und gerade der Ressourcen, so lautet Thorsten Polleits These, „ist der wirksamste Schutz für die Umwelt.“ Er macht das am Beispiel einer Kupfermine deutlich, deren privater Eigentümer sie aus Eigennutz nachhaltig bewirtschaften werde, weil er auch künftige Nachfrage im Sinn habe. Weshalb aber geraten dann gerade solche Ressourcen wie Minen oder Meere immer wieder wegen Umweltverschmutzung in die Schlagzeilen? Weil sie entweder frei verfügbar sind, das ist die Tragik der Allmende, wie die Übernutzung oder Verhunzung eines Allgemeinguts unter Ökonomen heißt, oder sie gehören dem Staat, der so räuberisch wie rücksichtslos vorgehen kann, weil niemand ihn daran hindern könnte. Beides ist schlecht, weil es beide Mal keinen Eigentümer gibt und folglich auch kein Kapitalwertkalkül, mit dem der Eigentümer den Barwert zukünftiger finanzieller Überschüsse ermittelt.

Nur bei einer Internalisierung der Kosten verhält sich der Eigentümer ressourcen- und umweltschonend; denn Raubbau an der Ressource und Schädigung der Umwelt gingen zu seinen Lasten und schmälerten seinen Gewinn. Würden obendrein Dritte geschädigt, müsste er auch noch für deren erlittenen Schaden haften. Für Schäden an der Allmende hingegen haftet keiner, im Zweifel der Steuerzahler, für Schäden von Staats wegen ebenfalls der Steuerzahler, so der Staat überhaupt ein Rechtsstaat und von geschädigten Zivilpersonen verklagbar ist.

Auch den Vorschlag zum Schutz der Allmende, dass bei einem Allgemeingut eben der Staat einwirken müsse, kennt Thorsten Polleit nur zu gut und verwirft ihn sogleich: Wie von Hans-Werner Sinn am Beispiel der Klimapolitik vor Augen geführt, ist staatliche Intervention ein trojanisches Pferd, das zu immer neuen Eingriffen führt und eine Interventionsspirale in Gang setzt, aus der kein Entkommen mehr ist. Die beste Alternative ist und bleibt die Privatisierung von allem, Eigentumsrechte sind der „ökologische Imperativ“ schlechthin.

Von den Minen zu den Meeren. Thorsten Polleit wählt ein zweites Beispiel zu Verdeutlichung seines Gedankens: den „Seerechtskommunismus“. Damit spielt er auf die Teilverstaatlichung der Meere an, die von den Staaten in Form von 200-Meilen-Zonen bewirtschaftet werden und aktuell der Hauptzankapfel der scheiternden Brexit-Verhandlungen sind. Sein Gegenmodell heißt: Privatisierung der 200-Meilen-Zonen und Verkauf von Parzellen derselben an Unternehmen, die diese bewirtschaften. Dabei sind alle möglichen Eigentumsformen und Wege zum Eigentum denkbar, Versteigerungen wie bei den Mobilfunkfrequenzen, Ausgabe frei handelbarer Anteilsscheine an alle Nettosteuerzahler oder auch solche, die in der Ökologiebewegung bevorzugt werden: Genossenschaften, die allen Bürgern als Anrainer offenstehen.

Solange das Privateigentum an Ressourcen klar definiert ist und mit ihm die Gewissheit, bei Missbrauch der Eigentumsrechte oder Schädigung Dritter verklagt zu werden und haften zu müssen, wird der oder werden die Eigentümer alles tun, ihre Ressource zu schützen und die Umwelt zu schonen. Davon ist Thorsten Polleit überzeugt und stellt am Ende seines Vortrags den „großen Gorilla“ in den Raum: die Privatrechtsgesellschaft. Denn wieso sollte ausgerechnet der Staat bei Klagen gegen Ressourcenmissbrauch oder Umweltverschmutzung Recht sprechen, wo er doch oft genug an vielen Orten der Welt Teil des Problems und nicht der Lösung ist? Die Antwort ist ein Plädoyer für eine weltweite Schiedsgerichtsbarkeit, die Nachhaltigkeit besser richten könne, auf dass der Markt Ressourcen und Umwelt schütze.

Nachtrag vom 18. November 2020: Die Videoaufzeichnung des Vortrags von Thorsten Polleit ist nunmehr online zugänglich, hier.


Triptychon in Schwarz: Eine Tasse Kaffee mit Kuchen und Früchtchen auf einer Schieferplatte, das Notizbuch hat Pause. Das Hotel Bayerische Hof ist auch im Detail eine feine Adresse. Gut, wenn der Gast mit seinen Utensilien mithalten kann.


Podiumsdiskussion Nach kurzem Stühlerücken finden sich die vier persönlich anwesenden Redner auf dem Podium ein, um mit Ralf Flierl zu diskutieren und später auch Fragen aus dem Publikum zu beantworten. Ralf Flierl ist Chefredakteur des Magazins Smart Investor, das als eines der wenigen Medien in Deutschland den theoretischen Ansatz der Österreichischen Schule der Nationalökonomie gutheißt und für die Geldanlage zu Rate zieht oder zugrunde legt. Das Münchener Magazin gehört mittlerweile zur Berliner wallstreet:online AG, die Börsenportal und Online-Community in einem und in beidem marktführend ist.


Podiumsdiskussion: In der Mitte Moderator Ralf Flierl, links von ihm Thorsten Polleit und Hans-Werner Sinn, rechts Andreas Marquart und Andreas Tiedtke. Am Ende einer kontroversen Debatte teilt die Podiumsrunde diese Erkenntnis: Die Bürger der Eurozone sind einer Geldpolitik ohne Rücksicht auf Verluste ausgeliefert – und sollten das nicht länger hinnehmen.

Als Moderator mit ausgewiesener Kompetenz fällt Ralf Flierl die keineswegs leichte Aufgabe zu, nach dem Hardcore-Mises-Aufschlag von Thorsten Polleit wieder den Faden zum illusionslosen Markt-Pragmatismus von Hans-Werner Sinn aufzunehmen und die gemeinsame Schnittmenge beider Ansätze auszuloten. Um es kurz zu machen: Nach anfänglichen Missverständnissen kriegt die Runde die Kurve und verständigt sich am Ende in großem Einvernehmen darauf, dass die staatliche Geldpolitik viel stärker ins Visier zu nehmen und offensiv anzugreifen ist. In den Worten von Hans-Werner Sinn, dem das Schlusswort zufällt:

Die seit Jahren fortschreitende Ermächtigung der Europäischen Zentralbank (EZB) und nun noch der Green Deal der Europäischen Union (EU), die jetzt erstmals über ein eigenes, unbegrenztes Budget verfügen könne, liefen auf eine „unglaubliche Machtanmaßung“ der EU-Institutionen hinaus, die keiner parlamentarischen Kontrolle der Bürger in Deutschland mehr unterliege. Kurz: Die EZB hat ein „Eigenleben ohne Kontrolle“, die Bürger der Eurozone sind einer Geldpolitik ohne Rücksicht auf Verluste ausgeliefert – und sollten das nicht länger hinnehmen.

Hotel Bayerischer Hof, kurz vor 18 Uhr. Die Konferenzteilnehmer applaudieren, bei ihnen hat der Appell hörbar offene Ohren gefunden. Sie haben Mut getankt, Zuversicht geschöpft. Die Mises Konferenz 2020 geht zu Ende.

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Dr. Rainer Bieling ist Journalist und freier Autor. Bis Dezember 2018 war er Redaktionsdirektor des Informations- und Hintergrunddienstes Der Hauptstadtbrief. Dort publizierten namhafte Vertreter Österreichischen Schule in den Jahren 2012 bis 2018 regelmäßig; die Beiträge sind seit 2020 im Archiv leider nicht mehr online verfügbar, ebenso wenig die Editorials des Berichterstatters.


Quelle „Wie der Markt Umwelt und Ressourcen schützt”. Der Konferenzbericht. Veröffentlicht am 19. Oktober 2020 auf der Website des Ludwig von Mises Instituts Deutschland e.V.  Die obige Fassung ist stilistisch geringfügig modifiziert und durchgängig mit eigenen Fotos illustriert. Die Links zu den Videoaufzeichnungen der Vorträge sind im Nachhinein eingefügt und als Nachträge kenntlich gemacht (Stand 14. Dezember 2020).

Fotos © Dr. Rainer Bieling

Samstag, 28. März 2020

Die Österreichische Schule der Nationalökonomie vorgestellt in 12 Schriften – Folge 1



Das Ludwig von Mises Seminar 2020 vergegenwärtigt 12 bahnbrechende Bücher der Österreichischen Schule der Nationalökonomie | Ein Seminarbericht in 2 Teilen – Folge 1


Vorbemerkung Der nun folgende Beitrag erschien am Freitag, dem 27. März 2020, unter der Überschrift Eine Reise durch die Welt der Österreicher in 12 Schriften – Folge 1 auf der Website des Ludwig von Mises Instituts Deutschland. Darin berichte ich vom Kronberger Ludwig von Mises Seminar 2020, das am 13. und 14. März 2020 in der Stadthalle von Kronberg im Taunus – nahe Frankfurt am Main – stattfand. (Hinweise zur Folge 2 finden Sie am Ende des Beitrags.)


Der Vorstand des Ludwig von Mises Instituts, Andreas Marquart, begrüßt die Seminarteilnehmer am 13. März 2020.

Es war ein Freitag, der 13. Kein guter Tag für Abergläubige. Zu denen zählen Anhänger der Österreichischen Schule der Nationalökonomie indes nicht, ganz im Gegenteil: An diesem Freitag, dem 13. März 2020, versammelten sich zu ihrem Ludwig von Mises Seminar 2020 in Kronberg im Taunus aufgeklärte Bürger, die mit wachen Augen und offenen Ohren das verfügbare Wissen aufnehmen, das menschliches Denken und Handeln hervorbringt, vermehrt und teilt. Allerdings ist die Verteilung dieses Wissen nichts, das von selbst geschieht, und auch die Bewahrung vorhandenen Wissens vor dem Vergessen will bewerkstelligt sein.

Der Gedanke, „12 Vorlesungen über bahnbrechende Bücher und ihre Bedeutung“ zu veranstalten, sollte der Bewahrung und Weitergabe von Wissen über die Österreichische Schule der Nationalökonomie dienen. Rund 60 Teilnehmer waren zu dem Seminar in die Stadthalle nach Kronberg gekommen, um an zwei Tagen, dem besagten Freitag und am folgenden Samstag, dem 14. März 2020, diese zwölf Vorlesungen zu hören, vorgetragen von fünf Dozenten.

Der Vorstand des Ludwig von Mises Instituts, Andreas Marquart, der zugleich dem Seminar vorstand, nennt eingangs eine Zahl: 4200. So viele Buchseiten haben die elf bahnbrechenden Bücher der Österreichischen Schule zusammengerechnet, die in den folgenden zwölf Stunden des Mises Seminars vorgestellt werden – in zwölf Vorlesungen, weil ein Buch gleich zweimal drankommen wird, von dem es zwei verschiedene Fassungen in zwei unterschiedlichen Sprachen unter jeweils eigenem Namen gibt, also gewissermaßen doch zwölf Bücher von Bedeutung, für jede Vorlesung eines.


Vorlesung 1: Philipp Bagus über Carl Mengers Grundsätze der Volkswirtschaftslehre, Wien 1871.

Vorlesung 1: Grundsätze der Volkswirtschaftslehre, Wien 1871. Von Carl Menger, vorgestellt von Philipp Bagus, Professor für Volkswirtschaft an der Universidad Rey Juan Carlos in Madrid.

Umstände: Wer schreibt was für ein Buch, wann und wo macht er das, und warum tut er es?
Carl Menger von Wolfensgrün, kurz Carl Menger, 1840 geboren und aufgewachsen in einer Kleinstadt südlich von Krakau im österreichischen Galizien, studiert Rechts- und Staatswissenschaften in Wien und Prag, arbeitet anschließend wieder in Galizien als Redakteur der Lemberger Zeitung, Schwerpunkt Marktbeobachtung und -beurteilung, und promoviert 1867 in Krakau. 1871 geht er endgültig nach Wien, wo sich er im Folgejahr mit einer Schrift habilitiert, die bereits vorliegt: Sein Buch Grundsätze der Volkswirtschaftslehre ist erschienen im Wien des Jahres 1871, in dem Preußen einen Krieg gegen Frankreich beginnt und gewinnt und mit dem Deutschen Reich einen kleindeutschen Nationalstaat ohne Zugehörigkeit Österreichs gründet.

Auch wenn Wien kein Bestandteil des neuen Reiches wird – Mengers Augen sind bis dahin ganz auf Deutschland gerichtet, an dessen Gebrauchswertschule er sich orientiert. Mit der staatlichen Trennung des deutschen Sprach- und Wissensraums in zwei eigenständige Reiche und der Berufung Carl Mengers an den neu geschaffenen Lehrstuhl für Politische Ökonomie an der Universität Wien beginnt 1879 die eigenständige Entwicklung einer Österreichischen Schule der Nationalökonomie.

Inhalt: Wie argumentiert Carl Menger? Worum geht es in den Grundsätzen der Volkswirtschaftslehre?
Carl Menger schreibt, zunächst ganz in der Tradition der deutschen Gebrauchswertschule, gegen den Objektivismus der klassischen Nationalökonomie der Briten und setzt ihm einen alternativen Ansatz entgegen, der das menschliche Handeln zum Ausgangspunkt einer subjektiven Wertlehre nimmt, die den Gebrauchswert einer Ware, deren Nutzen, wertbestimmend sieht. Er nimmt also das handelnde Individuum in den Blick, und da dieses stets mit anderen interagiert, die handelnden Individuen oder Subjekte.

Menger gliedert seine Grundsätze in 8 Kapitel, die von der „Lehre vom Gute“ über die „Lehre vom Werte“ und die „Lehre vom Preise“ zur „Lehre von der Ware“ und der „Lehre vom Gelde“ vorarbeiten. In seinem 6. Kapitel erörtert er den Zusammenhang und die Unterscheidung von Gebrauchswert und Tauschwert und gelangt von hier zu einer grundlegenden Weiterentwicklung der deutschen Gebrauchswertlehre, indem er den für die Österreichische Schule wichtigen Gedanken des Grenznutzens ausbaut und ihn mit dem Faktor Zeit in Verbindung setzt, der später zum Begriff der Zeitpräferenz weiterentwickelt werden wird.

Nutzen: Wozu soll das Lesen des Buches heutzutage gut sein?
Philipp Bagus sagt in seiner Vorlesung, Carl Menger sei „radikal anders“ als die deutschen Gebrauchswertlehrer, indem er den theoretischen Ansatz von Wilhelm Roscher, des Leipziger Professors für Staats- und Kameralwissenschaften, dem die Erstausgabe von 1871 „in achtungsvoller Verehrung zugeeignet“ ist (so die Widmung im Buchinneren), konsequent weiterentwickle. Die „Lehre vom Gelde“ (Kapitel 8) definiert Geld als ein von jedermann angenommenes Gut und lege damit einen der Grundsteine dessen, was alsbald als Österreichische Schule der Nationalökonomie gelten werde. Die Lektüre der Grundsätze der Volkswirtschaftslehre verschaffe den Genuss der Wiederbegegnung mit einem „neuen Level“ der Nationalökonomie – eine Art Geburtsurkunde von etwas Eigenem.


Vorlesung 2: Jörg Guido Hülsmann über Eugen von Böhm-Bawerks Kapital und Kapitalzins, Innsbruck 1884.

Vorlesung 2: Kapital und Kapitalzins, Innsbruck 1884. Von Eugen von Böhm-Bawerk, vorgestellt von Jörg Guido Hülsmann, Professor für Ökonomie an der Universität Angers in Frankreich.

Umstände: Eugen Böhm Ritter von Bawerk, kurz Eugen von Böhm-Bawerk, geboren 1851 in Brünn im österreichischen Mähren, studiert Rechts- und Staatswissenschaften in Wien und tritt zunächst in den niederösterreichischen Finanzdienst ein. Nach einer Habilitation in Politischer Ökonomie wird er 1881 Privatdozent an der Universität Innsbruck. Sein Buch Kapital und Kapitalzins entsteht und erscheint in Innsbruck in dem Jahr 1884, in dem er dort eine Professur für Politische Ökonomie übernimmt, mit der eine weitere Stimme der Österreichischen Schule der Nationalökonomie erklingt.

Inhalt: Eugen von Böhm-Bawerk schreibt sein anfangs (1884) auf zwei Bände angelegtes Werk Kapital und Kapitalzins so lange fort, bis es am Ende (1909) drei Bände unter diesem Obertitel sein werden. Der Band 1 von 1884 behandelt unter dem Titel Geschichte und Kritik der Kapitalzins-Theorien die dogmengeschichtliche Entwicklung und ist mit 546 Seiten der umfangreichste; der Band 2 erscheint fünf Jahre später, 1889, und enthält Böhm-Bawerks eigene Positive Theorie des Kapitals auf 485 Seiten. Als Nachzügler erscheint 1909 Band 3, der auf 350 Seiten Exkurse zur Positiven Theorie des Kapitals ausbreitet und sich mit der Rezeption der Kapitaltheorie befasst.

Der erste Band sorgt 1884 bei seinem Erscheinen für Aufmerksamkeit, weil sich Böhm-Bawerk in seiner Dogmengeschichte auch mit Karl Marx befasst und dessen Werttheorie zurückweist, ja von der „gänzlichen Unhaltbarkeit“ des Marxschen Arbeitswertgesetzes spricht. Marx war im Vorjahr 1883 verstorben und konnte sich nicht mehr wehren, aber Friedrich Engels lebte noch und mit ihm zahlreiche jüngere akademisch gebildete Marxisten. In den Folgejahren wird es zu einer intensiven Fehde zwischen Böhm-Bawerk und den Sozialisten kommen, als deren Wortführer sich Rudolf Hilferding profiliert, ein Österreicher, der später im Deutschen Reich sozialdemokratischer Finanzpolitiker werden wird. So hat die Österreichische Schule der Nationalökonomie auch ihr Gegenstück, den Austromarxismus, hervorgebracht, eine zweite Besonderheit des Wiener Geisteslebens nach der Trennung der beiden Reiche.

Nutzen: Jörg Guido Hülsmann sagt, Böhm-Bawerk sei „der bedeutendste Menger-Schüler“ und anders als dieser „ein gefälliger Autor“. Er habe es geschafft, die Lehren von Menger zu verbreiten, ohne sie zu verflachen, sondern sie im Gegenteil dabei zu systematisieren und weiter zu entwickeln. Schon 1902 sei Böhm-Bawerk ins Englische übersetzt worden – Carl Mengers Buch habe erst 1950 eine englische Übersetzung erlebt.

Als bleibende Erkenntnis des zentralen zweiten Bandes von Kapital und Kapitalzins hebt Hülsmann das Kostengesetz hervor, demzufolge „der Marktpreis von beliebig reproduzierbarer Waren langfristig dazu tendiert, sich den Produktionskosten anzugleichen“. So komme es durch Böhm-Bawerk zu einer Synthese von klassischer Preislehre (Adam Smith) und der Menger’schen Preislehre. Die Lektüre von Kapital und Kapitalzins lasse die „Geburt der modernen Makroökonomie“ nacherleben, den Zusammenhang aller Märkte und Einkommen, und verhelfe zu der Einsicht: „Es gibt eine spontane Ordnung der Marktwirtschaft.“


Vorlesung 3: Thorsten Polleit über Ludwig von Mises' Theorie des Geldes und der Umlaufsmittel, Wien 1912.

Vorlesung 3: Theorie des Geldes und der Umlaufsmittel, Wien 1912. Von Ludwig von Mises, vorgestellt von Thorsten Polleit, Honorarprofessor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Bayreuth, Chefvolkswirt der Degussa und Präsident des Ludwig von Mises Instituts Deutschland.

Umstände: Ludwig Heinrich Edler von Mises, kurz Ludwig von Mises, geboren 1881 in Lemberg in Galizien, studiert Rechtswissenschaft in Wien, promoviert dort 1906 und tritt als Mitarbeiter, bald Leiter, der Finanzabteilung der Handels- und Gewerbekammer in den österreichischen Staatsdienst ein. Für die Tätigkeit in der Kammer qualifiziert ihn, seit er 1903 erstmals Carl Mengers Grundsätze der Volkswirtschaftslehre gelesen hat, ein ausgiebiges Privatstudium der Volkswirtschaftslehre. Seine Schrift Theorie des Geldes und der Umlaufsmittel, mit der er sich habilitieren wird, erscheint 1912 in Wien und öffnet ihm nach der Habilitation 1913 die Tür zur universitären Lehrtätigkeit anfangs als Privatdozent, dann als außerordentlicher Professor für Politische Ökonomie an der Juridischen Fakultät der Universität Wien.

Inhalt: Ludwig von Mises schreibt 1912 seine Theorie des Geldes und der Umlaufsmittel in einer Zeit, in der dem Geld als Umlaufmittel noch eine Golddeckung zugrunde liegt, teilweise jedenfalls. Wenig später, im Verlauf des großen Krieges von 1914, den wir heute Ersten Weltkrieg nennen, kommt dem Geld die Golddeckung erstmals abhanden – nach dem Zweiten Weltkrieg wird es nur 26 Jahre dauern, bis sie 1971 auf Nimmerwiedersehen verschwunden sein wird.

1912 kann Mises noch vom Geld als einem „Gut sui generis“ schreiben, einem Gut eigener Art, das allgemein als Tauschmittel akzeptiert ist, weil liquide – anders als ein Konsumgut oder ein Produktionsgut. Diese Tauschmittelfunktion ist es, die Geld zu Geld macht und dafür sorgt, dass Märkte als Markt funktionieren. Selbst aus dem Markt hervorgegangen, wird Gold zum Grundgeld; später werden es (gold- oder silberhaltige) Scheidemünzen sein, die diese Tauschmittelfunktion übernehmen.

Mit dem Aufkommen von Scheidemünzen beginnt jedoch ein Prozess, der am Ende zum Fiat-Geld führen wird, zu jenem staatlichen Papiergeld ohne eigenen Wert, das im Hier und Heute von 2020 lebende Menschen U50 als einziges kennen. Dieses wiederum kennt Mises 1912 noch nicht, kann allerdings am Beispiel der Scheidemünzen zeigen, was geschieht, wenn der Nennwert einer Münze höher ist als ihr Materialwert, sei es der Goldwert oder der ihres Silbergehalts.

Nutzen: Thorsten Polleit sagt, dass Mises’ Theorie des Geldes und der Umlaufsmittel „eines seiner Meisterwerke“ sei, in dem er sich mit seinen Vorgängern Menger und Böhm-Bawerk „hart, aber fair“ auseinandersetze und eine konsistente Geldtheorie entwickle, auf deren Grundlage die spätere Entwicklung des Geldes zu Fiat-Money sich schlüssig erklären – und kritisieren lasse.

Die Praxeologie, jener für Ludwig von Mises kennzeichnende erkenntnistheoretische Ansatz, hingegen sei 1912 zwar erkennbar, aber noch nicht ausgearbeitet. Was die Lektüre der Theorie des Geldes und der Umlaufsmittel heute noch lohnenswert mache, sei das „sound money principle“, das darin herausgearbeitete Prinzip des soliden Geldes, dessen Verständnis es überhaupt erst ermöglicht, Papiergeld als Zwangsgeld eines staatlichen Monopolisten zu verstehen, als unsolides Geld, das von seinem Emittenten nach Belieben, willkürlich und einseitig vermehrt und verteilt werden kann und tendenziell die Rechte und Freiheiten des Einzelnen aushebele und jede Tyrannei erlaube.


Vorlesung 4: Karl-Friedrich Israel über Ludwig von Mises' Die Gemeinwirtschaft, Jena 1922.

Vorlesung 4: Die Gemeinwirtschaft, Jena 1922. Von Ludwig von Mises, vorgestellt von Dr. Karl-Friedrich Israel, Senior Researcher am Institut für Wirtschaftspolitik (IWP) der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Leipzig.

Umstände: Ludwig von Mises, in seinen Anfängen vorgestellt bei der Vorlesung 3, ist 1922 beim Erscheinen des Buches Die Gemeinwirtschaft im Verlag von Gustav Fischer, Jena, bereits seit vier Jahren (1918) außerordentlicher Professor für Politische Ökonomie an der Universität Wien. Allerdings lebt er in diesen politisch turbulenten Jahren nach dem Ersten Weltkrieg und dem Ende der Habsburger Vielvölkermonarchie nicht im akademischen Elfenbeinturm, sondern engagiert sich politisch gegen revolutionäre sozialistische Umsturzbestrebungen und berät Österreichs sozialdemokratische Regierung. Die Gemeinwirtschaft versammelt seine Untersuchungen über den Sozialismus, so der Untertitel, und verdeutlicht erstmals und sehr früh auch dessen theoretische Unmöglichkeit.

Inhalt: Ludwig von Mises schreibt zu einem Zeitpunkt über die Undurchführbarkeit des Sozialismus, als dieser erst wenige Jahre nach Lenins Staatsstreich von 1917 eine politische Realität ist, allerdings Russland eher propagandistisch als realökonomisch bestimmt und noch bevor Stalin 1924 die Parole vom „Sozialismus in einem Land“ prägen und die Umwälzung der Produktionsverhältnisse tatsächlich in Angriff nehmen wird – und lange bevor der Große Terror, wie der spätere staatliche Massenmord der Jahre 1936-38 heute heißt, knapp eine Million Bürger für ihre gelebte Unmöglichkeit des Sozialismus zur Rechenschaft ziehen und ihr „sozial schädliches“ Verhalten mit dem Tod ahnden wird.

1922, als Mises sein Buch veröffentlicht, steht der sozialistische Demozid den Bürgern Russlands noch bevor. Dass die Undurchführbarkeit des Sozialismus bis 1953, Stalins Todesjahr, Millionen Menschen das Leben kosten wird, ahnt trotz der Schrecken des 1922 allmählich zu Ende gehenden Bürgerkriegs niemand, auch nicht Ludwig von Mises. Sein Gedanke der Unmöglichkeit speist sich allein aus wirtschaftlichen Überlegungen.

Er gliedert sein Buch Die Gemeinwirtschaft in fünf Hauptteile, die sich etwa mit dem Unterschied zwischen „Liberalismus und Sozialismus“ befassen oder der Behauptung, es gebe so etwas wie „Die Lehre von der Unentrinnbarkeit des Sozialismus“ oder einen „Sozialismus als sittliche Forderung“. Der Teil über „Die Wirtschaft des sozialistischen Gemeinwesens“ aber bildet das Zentrum der Schrift. Er basiert auf einem Text von 1920, Die Wirtschaftsrechnung im sozialistischen Gemeinwesen, in dem Mises erstmals begründet, warum eine Wirtschaftsrechnung im Sozialismus nicht möglich ist.

Die Wirtschaftsrechnung ist ein Kerngedanke zum Verständnis von Mises – und von Märkten. Eine Wirtschaftsrechnung ist nur möglich, wenn drei Voraussetzungen vorliegen:
1. Privateigentum an Konsumgütern und Produktionsfaktoren,
2. freier Handel der Konsumgüter und Produktionsfaktoren,
3. stabiles Geld als allgemein anerkanntes Tauschmittel.
Nur wenn die Berechnung der Kosten eine Gewinn- und Verlustrechnung ermöglicht, lassen sich Geldpreise bilden, Knappheitssignale erkennen und Ressourcen erfolgversprechend zuordnen und verteilen. Das ist die Wirtschaftsrechnung.

Sozialismus erlaubt keine Wirtschaftsrechnung: Produktionsfaktoren sind Gemeineigentum, freien Handel gibt es nicht mehr und Geld, obzwar auch im Sozialismus vorhanden, ist kein Maßstab als Tauschmittel und verliert seine Funktion, Maßeinheit der Wirtschaftsrechnung zu sein. Die im Sozialismus für die Wirtschaft zuständige Planungsbehörde mag die besten Absichten haben, tugendhaft und unbestechlich sein, Weitsicht, Weisheit und obendrein Fleiß an den Tag legen – ihr fehlen die Mittel der Wirtschaftsrechnung, mit denen Unternehmer in einer Marktwirtschaft wie selbstverständlich eine Versorgung der Bevölkerung mit den Gütern sicherstellen, nach denen sie verlangt. Vom Scheitern der Sowjetunion 1990 bis zum Drama von Venezuela 2020 reicht die Kette der praktischen Belege für Ludwig von Mises’ theoretische Erkenntnis von 1920: Sozialismus ist undurchführbar.

Mises gelingt es, mit einem Update dieses Gedankens von 1920 und seiner Integration in Die Gemeinwirtschaft von 1922 als Teil 2 des Buches einen Kerngedanken zu verankern und zu verbreiten, der zwar kein einziges sozialistisches Experiment (und dessen wirtschaftlich logisches Scheitern) verhindert hat, aber in jeder neuen Generation von Intellektuellen eine Minderheit unter den „Meisterdenkern“ gegen den Sozialismus immunisiert.

Nutzen: Karl-Friedrich Israel sagt, dass es Die Gemeinwirtschaft war, die Friedrich August von Hayek gleich nach deren Erscheinen gelesen und deren Lektüre ihn von seinem Liebäugeln mit sozialistischen Ideen abgebracht und zum Liberalismus hingeführt habe. Neben dem 2. Teil hinterlasse besonders der 5. und letzte Teil des Buches nachhaltigen Eindruck, überschrieben mit Der Destruktionismus. Diesen Begriff führe Mises ein und bestimme ihn so: Der Sozialismus „baut nicht auf, er reißt nieder. Nach dem Erfolg seines Wirkens müsste man ihm den Namen Destruktionismus geben. Denn sein Wesen ist die Zerstörung.“ (Einen Auszug aus Der Destruktionismus gibt es auf der deutschen Mises-Website, hier.)

Ludwig von Mises hat die Zerstörung von Werten im Auge, die Aufzehrung von Kapital – die Zerstörung von Menschenleben muss nicht, aber sie kann hinzukommen, wie sich bald herausstellen sollte. Karl-Friedrich Israel nennt den größten Gewinn der Lektüre, dass der Leser den abschließenden Hinweis auf den Destruktionismus kennenlernt, der immer zur Verarmung führt, sei es durch Vermögenspreisinflation, sei es durch „Reallohnrepression“. Sein guter Rat: „auf der Hut sein“, wenn Regierungen Privateigentum, freien Handel und stabiles Geld zur Disposition stellen, um gegen die nächste beispiellose Herausforderung zu kämpfen.


Vorlesung 5: Jörg Guido Hülsmann über Ludwig von Mises' Nationalökonomie, Genf 1940.

Vorlesung 5: Nationalökonomie, Genf 1940. Von Ludwig von Mises, vorgestellt von Jörg Guido Hülsmann, Professor für Ökonomie an der Universität Angers in Frankreich.

Umstände: Ludwig von Mises, vorgestellt bei Vorlesung 3 und 4, lebt 1940 beim Erscheinen des Buches Nationalökonomie in Genf, wohin er nach dem Österreichischen Bürgerkrieg vom Februar 1934 und dem folgenden Ende der Ersten Republik noch 1934 übergesiedelt war. Eine Berufung an das Genfer Institut Universitaire de Hautes Etudes Internationales ermöglicht ihm, die Nationalökonomie „in Angriff zu nehmen und zu vollenden“, wie er im April 1940 im Vorwort zu dieser grundstürzenden Theorie des Handelns und Wirtschaftens, so der Untertitel, bekennt.

Inhalt: Ludwig von Mises schreibt seine Nationalökonomie als Sechsteiler mit sehr unterschiedlichen Umfängen der einzelnen Teile, die um ein 404 Seiten starkes Zentrum kreisen: „Die Marktwirtschaft“ (Teil 4). Dahin führt er in drei Schritten:
Teil 1 „Das Handeln“ (114 Seiten) stellt den handelnden Menschen in den Mittelpunkt der Betrachtung, die Mittel seines Handelns und dessen Zweck.
Teil 2 „Das Handeln in der Gesellschaft“ (74 Seiten) beleuchtet die Kooperation – und den Konflikt: „Die gesellschaftliche Arbeitsvereinigung und Arbeitsteilung beruht auf dem friedlichen Sichvertragen; nicht der Krieg, der Frieden ist der Vater aller gesellschaftlichen Dinge.“ (Seite 144)
Teil 3 „Rechnen im Handeln“ ist nur 36 Seiten kurz, markiert aber, so Hülsmann, einen „epistemologischen Sprung“, einen wissenschaftstheoretischen Fortschritt der Erkenntnis der Bedeutung der Geldrechnung als gedanklichem Werkzeug menschlichen Handelns.

Von seinem Zentrum „Die Marktwirtschaft“ führt das Buch zu zwei weiteren kürzeren Teilen, die sich auch der Sache nach von der Marktwirtschaft entfernen:
Teil 5 „Die verkehrslose arbeitsteilige Wirtschaft“ (18 Seiten) meint den Sozialismus, der dem Absolutismus so verblüffend ähnelt: „Jener gute Vater Staat [...] wolle doch das Wohl des Ganzen und Aller, das Gemeinnützige und Beste. In ihm regiert nicht der Eigennutz, nicht der schwache Mensch mit allen seinen Fehlern und Lastern, sondern das Sittengesetz selbst.“ (Seite 629/30) Dieser Sozialismus sei zwar unmöglich, so Hülsmann, „aber nicht absurd“, eher wie ein Schiff ohne Kompass. Teil 5 bleibt kurz, weil eine ausführliche Sozialismus-Kritik mit der Gemeinwirtschaft von 1922 bereits vorliegt.

Teil 6 „Die gehemmte Marktwirtschaft“ (94 Seiten) beschreibt den Interventionismus – und der, so Hülsmann, sei anders als der Sozialismus hingegen tatsächlich „absurd“. Wie absurd, macht Ludwig von Mises am seinerzeit ultimativen Interventionismus deutlich, der Kriegswirtschaft nach 1914: „Der totale Krieg verlangt den totalen Staat [...] Er macht das bürgerliche Leben, wie es die Kultur geformt hat, unmöglich. Der Bürger verschwindet und wird durch den Soldaten ersetzt. Das Leben aller Menschen wird zu einem permanenten Dienst in einer stets marschbereiten Armee. Der Krieg und der Sieg werden zum einzigen Zweck aller gesellschaftlichen Kooperation.“ (Seite 738)

Nutzen: Jörg Guido Hülsmann sagt, der 6. und letzte Teil der Nationalökonomie beschreibe „ein eigenes Problemfeld“, den staatlichen Interventionismus, das „bis heute vernachlässigt“ sei. Stattdessen dominiere die vermeintliche Dualität von Kapitalismus und Sozialismus einen Diskurs, in dem alles Übel dem Kapitalismus angelastet werde. Dabei verdankten sich die meisten Übel dem Interventionismus „als dem Dritten“, das sich bevorzugt des Geldes als Interventionsmittel bediene. Hinzu komme die Verstaatlichung des Kredits, auch ermangele es einer Theorie der Bürokratie, ohne deren Wirken Staatsinterventionismus nicht auskomme.

Den Gewinn aus seiner Re-Lektüre der Nationalökonomie zieht also zuerst der Dozent selbst mit der Erkenntnis eines Desiderats der Forschung, wie es im akademischen Jargon heißt, also eines noch unzureichend bearbeiteten Themas, von dem er sich wünscht, dass sich ein Forscher seines annimmt. Den zentralen 4. Teil der Nationalökonomie werde er in seiner nächsten, der 6. Vorlesung behandeln, die sich mit ihrer Weiterentwicklung zu einem eigenständigen englischsprachigen Werk befassen werde, der Human Action.

Hülsmann lässt aber keinen Zweifel, dass die Lektüre der original Nationalökonomie von 1940 für Erstleser „eine Freude“ sein werde, weil sie hier einem „Denkgebäude aus einem Guss“ begegneten, das sich auch deshalb so gewinnbringend lese, weil Ludwig von Mises „ein Mann der Praxis“ und von großer Detailkenntnis war und schon sprachlich und in der Gedankenführung angenehm unakademisch schreibe. Und nicht zuletzt sei die Praxeologie, Mises’ erkenntnistheoretischer Ansatz, mittlerweile ausgereift und mit ihr die Werttheorie, die sich in der Nationalökonomie ganz beiläufig nachvollziehen lasse.


Vorlesung 6: Jörg Guido Hülsmann über Ludwig von Mises' Nationalökonomie, Genf 1940. | Human Action, New Haven 1949.

Vorlesung 6: Nationalökonomie, Genf 1940. | Human Action, New Haven 1949. Von Ludwig von Mises, vorgestellt von Jörg Guido Hülsmann, Professor für Ökonomie an der Universität Angers in Frankreich.

Umstände: Ludwig von Mises, vorgestellt bei Vorlesung 3, 4 und 5, lebt 1949 beim Erscheinen der englischen Ausgabe der Nationalökonomie unter dem Titel Human Action in New York City, wohin er bald nach dem Erscheinen der Nationalökonomie, aus Genf kommend, im August 1940 emigriert ist. Anfangs in finanziell prekärer Lage, erhält er 1945 eine Teilzeitgastprofessur an der New York University und 1946 die US-amerikanische Staatsbürgerschaft und kann eine aktualisierte, verbesserte und erweiterte englische Ausgabe der Nationalökonomie erstellen, die statt 756 Seiten nun 912 Seiten stark ist (plus XXV Seiten Vorwort), den Titel Human Action. A Treatise on Economics trägt und 1949 bei der Yale University Press, New Haven, Connecticut, erscheint.

Neben den inhaltlichen Unterschieden, die in erster Linie auf einer Erweiterung der Inhalte, nicht auf einer Änderung von Mises’ Positionen beruhen, ist die Rezeption der große Unterschied: Die Nationalökonomie, 1940 in der von totalitären Staaten umzingelten, ängstlich geduckten Schweiz zum Beginn eines zweiten totalen Krieges erschienen, wird bis 1981 insgesamt 13 Besprechungen erhalten. Human Action, 1949 im Ankerland der freien Welt, den Vereinigten Staaten, zum Beginn eines ersten Kalten Krieges erschienen, wird bis 1981 insgesamt 81 Besprechungen erleben. (Im Jahr 1981 wird in seiner alten und neuen Heimat des 100. Geburtstags des Autors gedacht.)

Es ist dieses Buch, die Human Action, das Ludwig von Mises in die Hall of Fame der Austrian School führt und ihn nach seinem Tod im Oktober 1973 zum Namenspatron des Mises Institute erst in Auburn, Alabama, und dann zu dessen deutschem Pendant werden lässt, dem Ausrichter des Ludwig von Mises Seminars 2020.

Inhalt: Ludwig von Mises schreibt einige neue Kapitel und erweitert vorhandene Kapitel der Nationalökonomie. Neu ist im Teil 6 Die gehemmte Marktwirtschaft das Kapitel The Welfare Principle versus the Market Principle, in dem er sich dem 1949 bereits klar abzeichnenden Wohlfahrtsstaat westlicher Prägung zuwendet, der erst 70 Jahre später seinem Ende zusteuern wird – wie auch der real existierende Sozialismus in der Sowjetunion 70 Jahre brauchte, um seine Undurchführbarkeit einzugestehen, wenn nicht verbal, so doch faktisch. Ganz neu fügt Mises einen Teil 7 hinzu: The Place of Economics in Human Society.

Der Ruf dieses neuen Schlussteils, der Wirtschaft in der menschlichen Gesellschaft mehr Aufmerksamkeit zu schenken, verhallt in den Vereinigten Staaten des Jahres 1949 nicht ungehört. Der New Deal der Jahre 1933 bis 1938 unter US-Präsident Franklin D. Roosevelt und die folgende Kriegswirtschaft bis zur Kapitulation Japans im September 1945 glichen einer Interventionsspirale mit ungehinderter Expansion des Staates, der jede freie Markregung im Keim erstickte. Dass nun, 1949, ein Buch erscheint, dessen zentraler Teil 4 Die Marktwirtschaft auf Englisch Catallactics or Economics of the Market Society heißt, kommt dem Bedürfnis vieler entgegen, „Vater Staat“ wieder einzudämmen und seine Interventionsgelüste zu zügeln. Mit dem im Deutschen wenig benutzten Begriff der Katallaktik meint Mises die freie menschliche Marktinteraktion als treibende Kraft zur Findung von wirtschaftlichen Entscheidungen.

Das verweist auf den Kern seiner Lehre von der Marktwirtschaft, die Ludwig von Mises in dem auf 452 Seiten angewachsenen zentralen Teil 4 der Human Action vor dem englischsprachigen Publikum der Vereinigten Staaten und des Vereinigten Königreichs ausbreitet. Im Teil 4 legt er seine Werttheorie dar, die vom subjektiven Wert ausgeht. Nicht dem Ding an sich haftet ein Wert an, das auch keine quantitativen Konstanten aufweist, sondern ein Wert entsteht aus einer dreiseitigen Beziehung, Hülsmann spricht von einer „ordinalen Beziehung“, zwischen einem Ding und zwei Handelnden. Dieser Vorgang erst ermöglicht die Wirtschaftsrechnung, bestimmt den Geldtausch und ist in Umfang und Menge historisch bedingt und somit veränderlich und nichts Konstantes.

Nutzen: Jörg Guido Hülsmann sagt, mit der Theorie der Marktwirtschaft, die seit der englischen Ausgabe der Nationalökonomie in Gestalt der Human Action auch für Leser jenseits des Ärmelkanals und des Atlantiks verfügbar ist, habe Ludwig von Mises das Denken etlicher angloamerikanischer Ökonomen beeinflusst, verändert und geprägt.

Die Lektüre der deutschen oder der englischen Fassung sei in keinem Fall ein Irrtum, ganz im Gegenteil führe sie geradewegs zur Erkenntnis der Bedeutung des Irrtums: Wer irrt, verliert, wer sich nicht irrt, gewinnt. Unternehmergewinn sei das Gegenteil des Irrtums, ein Verlust zeige ihn an. Gewinne und Verluste als das Ergebnis von richtig und falsch getroffenen Entscheidungen wiesen darauf hin, dass unternehmerisches Handeln das Unvorhersehbarste ist, was Marktwirtschaft zu bieten habe und woher ihre einzigartige Fähigkeit stamme, den Zuwachs an Erkenntnis aus dem permanenten Prozess von Versuch und Irrtum in Wohlstand für alle zu übersetzen. Bis dass der Staat ihn vernichtet – und alle wieder verarmen.

Folge 2 mit den Vorlesungen 7 bis 12 folgt in einer Woche am Freitag, dem 3. April 2020.

Quelle: Ludwig von Mises Institut Deutschland: Eine Reise durch die Welt der Österreicher in 12 Schriften – Folge 1. Die dort zuerst veröffentlichte Originalfassung unterscheidet sich von der obigen Blogfassung nicht im Text, nur in der Bebilderung – hier ist zu jeder Vorlesung ein Bild des Referenten zu sehen, dafür fehlt das auf der Mises-Website veröffentlichte Schlussfoto mit dem Gruppenbild der Seminar-Teilnehmer.

Fotos © Dr. Rainer Bieling

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Hinweis: Die Folge 2 mit den Vorlesungen 7 bis 12 erschien am Sonntag, dem 5. April 2020, unter der Überschrift Die Österreichische Schule der Nationalökonomie vorgestellt in 12 Schriften – Folge 2 als Version der Berliner Freiheiten.